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Julia Stein verantwortet die Redaktion von Medipros. Seit über fünf Jahren arbeitet sie im HR-Recruiting und hat in dieser Zeit Stellenkampagnen über Greenhouse, Join, rexx und Indeed gesteuert – für Arbeitgeber aus der Dienstleistungsbranche, dem Bildungssektor und dem Gesundheitswesen. Sie kennt Besetzungsprozesse aus der Perspektive derer, die täglich Stellen zu füllen haben: welche Anzeigen Bewerbungen bringen, woran Verfahren scheitern und wie lange gute Kandidatinnen und Kandidaten auf eine Rückmeldung warten, bevor sie abspringen. Auf Medipros schreibt sie über Recruiting-Praxis, den Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen und darüber, wie HR-Prozesse aussehen müssen, damit sie für beide Seiten funktionieren.

Du hast bereits einen Beruf gelernt, willst aber noch einmal etwas Neues anfangen – mit mehr fachlicher Tiefe, direktem Kundenkontakt und einem sicheren Arbeitsfeld? Für viele Berufswechsler führt der Weg dann in die Apotheke. Anders als bei der klassischen Ausbildung direkt nach der Schule stellen sich beim Quereinstieg aber andere Fragen: Muss ich noch einmal komplett die Schulbank drücken? Wer bezahlt das Ganze, wenn ich schon Familie oder Miete habe? Und geht das auch ohne, dass ich meinen aktuellen Job sofort aufgebe?
Dieser Artikel beantwortet genau diese Fragen: Was PTA Umschulung und PTA Quereinstieg konkret bedeuten, welche Voraussetzungen gelten, wie lange es dauert, was es kostet – und welche Förderungen den Wechsel finanziell tragbar machen.
In diesem Artikel
Was bedeutet PTA Umschulung und PTA Quereinstieg eigentlich?
Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, meinen aber nicht exakt dasselbe:
PTA Umschulung ist der offizielle Fachbegriff. Du hast bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung und durchläufst nun formal denselben Weg wie ein Azubi – die zweieinhalbjährige Ausbildung an einer PTA-Schule plus Praktikum –, häufig aber mit Anpassungen bei Tempo, Finanzierung und Anrechnung von Vorkenntnissen.
PTA Quereinstieg ist der umgangssprachliche Begriff dafür, dass du aus einem fachfremden Beruf kommst – egal ob du vorher Einzelhandelskauffrau, Erzieher oder Industriemechanikerin warst. Der Quereinstieg läuft in der Praxis über genau diese Umschulung.
Wichtig zu wissen: PTA ist ein geschützter Beruf nach dem PTA-Berufsgesetz. Die Berufsbezeichnung und die staatliche Prüfung sind bundeseinheitlich geregelt – anders als bei vielen IHK-Ausbildungsberufen gibt es keinen Weg, allein über jahrelange Berufserfahrung ohne Prüfung als PTA zu arbeiten. Der Quereinstieg bedeutet also nicht "ohne Ausbildung", sondern "mit verkürzten Wegen, besserer Finanzierung und mehr Flexibilität als ein 16-Jähriger direkt nach der Schule sie hätte".
Für wen lohnt sich der Wechsel in die Apotheke?
Ein Quereinstieg lohnt sich besonders, wenn eine oder mehrere dieser Situationen auf dich zutreffen:
Du kommst aus einem verwandten Berufsfeld. PKA, medizinische Fachangestellte, Biologielaboranten, Chemikanten oder Krankenpflegekräfte bringen oft schon naturwissenschaftliches oder gesundheitliches Grundwissen mit, das dir die Umschulung erleichtert – und unter Umständen sogar verkürzt.
Dein aktueller Beruf ist körperlich oder wirtschaftlich keine Dauerlösung mehr. Gerade bei gesundheitlichen Einschränkungen im bisherigen Job unterstützen Arbeitsagentur und Rentenversicherung eine Umschulung besonders bereitwillig.
Du suchst einen krisensicheren, systemrelevanten Beruf. Apotheken suchen bundesweit PTA – die Jobaussichten nach der Umschulung sind entsprechend gut.
Du willst mehr fachliche Tiefe als in einem reinen Verkaufsjob. Arzneimittelkunde, Beratung und pharmazeutische Tätigkeiten unterscheiden die PTA klar von einer klassischen Handelsausbildung.
Voraussetzungen für die PTA Umschulung
Die schulischen Mindestvoraussetzungen sind identisch mit der regulären PTA-Ausbildung:
Mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss oder gleichwertig) – oder
Hauptschulabschluss plus mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung. Genau dieser zweite Weg macht die PTA-Umschulung für die meisten Quereinsteiger überhaupt erst zugänglich, auch ohne Realschulabschluss.
Gesundheitliche Eignung, meist durch ärztliches Attest nachzuweisen – wichtig, da du täglich mit Arzneimitteln und Chemikalien arbeitest.
Einwandfreies Führungszeugnis.
Darüber hinaus zählt bei Berufswechslern vor allem eines: eine belastbare Begründung, warum der neue Weg der richtige ist. Das ist vor allem dann relevant, wenn du eine Förderung beantragen willst (dazu gleich mehr).
So läuft die PTA Umschulung ab
Der grundsätzliche Aufbau entspricht der regulären Ausbildung: zwei Jahre schulischer Unterricht an einer staatlich anerkannten PTA-Schule (Arzneimittelkunde, Galenik, Chemie, Biologie, Apothekenrecht, Kommunikation) gefolgt von einem halbjährigen, vergüteten Praktikum in einer Apotheke. Für Quereinsteiger gibt es dabei einige Besonderheiten:
Verkürzung möglich. Wer aus einer vorherigen Ausbildung, einem Studium oder einer einschlägigen Berufstätigkeit bereits vergleichbare Kenntnisse mitbringt, kann die schulische Umschulung um bis zu ein Jahr verkürzen. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, entscheidet die jeweilige PTA-Schule individuell.
Teilzeit und Fernunterricht. Wenn du neben der Umschulung weiterarbeiten oder Familie betreuen musst, bieten einzelne Schulen Teilzeit- oder Fernunterrichtsmodelle an. Das verlängert die Umschulung in der Regel auf bis zu fünf Jahre, macht sie aber mit laufendem Einkommen vereinbar.
Kein Gehalt während der Schulzeit – aber Vergütung im Praktikum. Wie bei der regulären Ausbildung erhältst du während der zwei Schuljahre in der Regel kein Gehalt, da die PTA-Schulen privat organisiert sind. Im sechsmonatigen Apothekenpraktikum am Ende gibt es dagegen eine tarifliche Vergütung.
Abschlussprüfung ist identisch. Am Ende steht dieselbe staatliche, bundeseinheitlich geregelte PTA-Prüfung wie für alle anderen Absolventinnen und Absolventen – schriftlich, praktisch und je nach Bundesland auch mündlich
Kosten und Förderung: Was übernimmt das Arbeitsamt?
Das ist für die meisten Quereinsteiger der entscheidende Punkt – und die gute Nachricht vorweg: Die PTA-Umschulung gehört zu den Berufen, die die Arbeitsagentur regelmäßig fördert.
Was die Umschulung kostet. Da PTA-Schulen überwiegend privat getragen sind, fällt in der Regel Schulgeld an – je nach Schule und Bundesland meist im mittleren dreistelligen Bereich pro Monat. In einigen Bundesländern, etwa Bayern, sind staatlich geförderte Schulen weitgehend schulgeldfrei und erheben nur eine geringe Materialgebühr.
Förderung durch Arbeitsagentur oder Jobcenter (Bildungsgutschein). Bist du arbeitssuchend, arbeitslos gemeldet oder von Arbeitslosigkeit bedroht, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Umschulung über einen Bildungsgutschein fördern. Damit lassen sich Schulgeld, Lernmittel und teils auch Fahrt- oder Unterbringungskosten abdecken – im besten Fall bis zu 100 Prozent. Rechtliche Grundlage ist § 81 SGB III: Gefördert wird unter anderem, wer noch keinen Berufsabschluss mit mindestens zweijähriger Regelausbildungsdauer hat oder aufgrund einer mehr als vierjährigen an- oder ungelernten Tätigkeit absehbar nicht mehr in seinem bisherigen Beruf arbeiten kann. Während der geförderten Umschulung kann außerdem weiterhin Arbeitslosengeld gezahlt werden.
Förderung durch Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft. Wenn eine gesundheitliche Einschränkung dich in deinem bisherigen Beruf einschränkt, kommen auch die Deutsche Rentenversicherung oder die zuständige Berufsgenossenschaft als Kostenträger für eine berufliche Rehabilitation infrage.
Steuerlich absetzbar. Auch wer die Kosten selbst trägt, kann bei Schulen in freier Trägerschaft einen Teil steuerlich geltend machen – bis zu 30 Prozent des Schulgelds, maximal 5.000 Euro pro Jahr.
Wichtig: Förderungen sind immer Einzelfallentscheidungen. Sprich frühzeitig – idealerweise, bevor du dich an einer Schule bewirbst – mit deiner zuständigen Sachbearbeiterin oder deinem Sachbearbeiter und kläre, welche Fördermöglichkeiten für deine Situation infrage kommen.
Geht PTA Quereinstieg auch ohne komplette Umschulung?
Kurz und ehrlich: Nein, nicht als PTA mit vollem Titel und vollem Aufgabenbereich. Weil PTA ein geschützter, bundesweit einheitlich geregelter Beruf ist, führt kein Weg an der staatlichen Prüfung vorbei – anders als bei vielen kaufmännischen oder handwerklichen Berufen gibt es keine reine "Externenprüfung" nach ein paar Jahren Praxis ohne Schulbesuch.
Was aber sehr wohl funktioniert und in der Praxis häufig der erste Schritt ist:
Zunächst als PKA oder Apothekenhelfer:in einsteigen. Die Ausbildung bzw. Umschulung zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten ist kürzer, du sammelst Apothekenerfahrung im laufenden Betrieb – und kannst danach mit deutlich klarerem Bild entscheiden, ob dir der Schritt zur PTA-Umschulung liegt.
Vorkenntnisse anrechnen lassen. Wie oben beschrieben, verkürzt einschlägige Vorbildung (z. B. aus Chemie, Biologie oder anderen Gesundheitsberufen) die Schulzeit um bis zu ein Jahr.
Berufsbegleitend umschulen. Wer in Teilzeit oder per Fernunterricht umschult, bleibt währenddessen im aktuellen Job – der Wechsel passiert dann schrittweise statt abrupt.
Gehalt nach der Umschulung: Was ist realistisch?
Nach bestandener Prüfung zählt für dein Gehalt der PTA-Tarif – unabhängig davon, was du vorher verdient hast. Das Einstiegsgehalt liegt je nach Region und Arbeitgeber typischerweise zwischen 2.000 und 2.500 Euro brutto im Monat, mit Berufserfahrung und Zusatzqualifikationen ist deutlich mehr drin. Die genauen Tarifstufen, Netto-Richtwerte und regionalen Unterschiede findest du in unserem ausführlichen Artikel zum PTA Gehalt.
Ein realistischer Blick lohnt sich hier besonders für Quereinsteiger: Kommst du aus einem Beruf mit höherem Einstiegsgehalt, solltest du die Umschulungszeit und die ersten Berufsjahre als PTA finanziell einplanen, bevor du den Wechsel vollziehst.
Checkliste: In 5 Schritten zur PTA Umschulung
Voraussetzungen prüfen. Schulabschluss, Berufsausbildung und gesundheitliche Eignung klären.
Beratungsgespräch bei Arbeitsagentur oder Jobcenter vereinbaren. Hier erfährst du, ob und in welcher Höhe eine Förderung möglich ist – am besten, bevor du dich an einer Schule bewirbst.
Passende PTA-Schule finden. Achte auf staatliche Anerkennung, Unterrichtsform (Vollzeit, Teilzeit, Fernunterricht) und Bewerbungsfristen – viele Schulen starten nur einmal jährlich, meist im September.
Anrechnung von Vorkenntnissen klären. Frag aktiv nach, ob deine bisherige Ausbildung die Umschulung verkürzt.
Bewerbungsunterlagen einreichen. Lebenslauf, Zeugniskopien, ärztliches Attest und Führungszeugnis – je nach Schule frühzeitig anfragen, welche Unterlagen konkret gefordert sind.
Fazit
PTA Umschulung und PTA Quereinstieg sind für Berufswechsler ein gut planbarer, solide finanzierbarer Weg in einen zukunftssicheren Gesundheitsberuf – vorausgesetzt, du gehst ihn mit realistischen Erwartungen an. Der Beruf bleibt an die staatliche Prüfung gebunden, aber Verkürzungsmöglichkeiten, Teilzeitmodelle und die Förderung durch Arbeitsagentur oder Jobcenter machen den Umstieg auch mit laufenden Verpflichtungen machbar. Wer die Finanzierung frühzeitig klärt und die passende Schule findet, hat nach zweieinhalb bis drei Jahren einen anerkannten Berufsabschluss mit stabiler Nachfrage in der Tasche.
Mehr zu den Grundlagen der Ausbildung findest du in unserem Artikel zur PTA Ausbildung: Voraussetzungen, Schulen und Prüfung. Und wenn du nach der Umschulung direkt durchstarten willst: In unseren PTA Stellenangeboten findest du aktuelle Jobs in Apotheken deutschlandweit.
Du hast noch Fragen zur PTA Umschulung oder zum Quereinstieg? Schreib uns einen Kommentar!


